Bevor
der Leser/User sich mit den Verflechtungen verschieden
angelegter Literaturphänomene auseinandersetzen kann,
müssen einige Vorentscheidungen, die per Aktivierung
von Links vonstatten gehen, getroffen werden. So muss
entschieden werden, ob die deutsche oder die
englischsprachige Version bevorzugt wird. Danach werden dem
Neuling (erster Besuch des Cafe-Nirwana) und dem
Stammgast (regelmäßiger Besucher)
unterschiedliche Wege zum Betreten des
Cafe-Nirwana angeboten. Outet der
Leser/User sich als Neuling und aktiviert diesen Link,
präsentiert sich vor ihm ein Bild mit erläuterndem
Text.

Bild 1: Willkommen in
Cyberia
Das
Bild dokumentiert die Möglichkeit eines Eintrittes in
eine ungewisse Welt (die auf dem Bild zu sehende Tür
ist noch geschlossen). Der darauf folgende Text benennt
diese als Cyberia, konkretisiert also das Ziel.
Cyberia als Eigenname erinnert an
Cyberspace als Synonym für die durch die
elektronische Datenverarbeitung und -vermittlung
entstehenden virtuellen Räume, die zwischen
Präsenz und Abwesenheit der sie mehr oder weniger
kontrollierenden realen User anzusiedeln
sind.
Der
Text ist mit Signalwörtern versehen, die vom Leser/User
aktiviert werden können, um den Eintritt in
Cyberia zu vollziehen.
Aktiviert
der Leser/User das Signalwort Foyer wird er
durch eine Linkverbindung zu einer weiteren Graphikdatei
geführt, die sich dem Leser/User als Bild eines
klassizistisch gestalteten Raumes, in dem eine Standtafel
steht, auf der Bildschirmoberfläche
präsentiert.[2]

Bild 2: Das
Foyer
Erst,
wenn der Leser/User diesen Raum betreten hat und
die in diesem Raum befindliche Standtafel
anklickt, hat er Zugang zu einem
Inhaltsverzeichnis. Die Standtafel wird dem Leser/User wie
im Film durch einen Zoom vergrößert dargestellt,
so dass die Informationen überhaupt lesbar
werden.

Bild 3: Standtafel
Cafe-Nirwana
Das
Foyer ist nicht nur optisch als Entree konzipiert, sondern
auch formal. Ausdruck dafür ist eine Stehtafel. Diese
Stehtafel enthält eine Auflistung der einzelnen
Räume des CafeNirwana und kann so als Einladung
zum Besuch der anderen Räume und als Inhaltsverzeichnis
genutzt werden. In diesem Zusammenhang kann getrost von
Räumen die Rede sein, da alle Verzeichnisse
zu graphisch gestalteten Räumen führen.
Wird
das Kaffeehaus Cafe Nirwana besucht, kann
der Leser/User von dort zum Chat übergehen. Damit wird
ein Kommunikationsangebot gemacht, dass bei Annahme für
Geselligkeit sorgen kann.[3]

Bild 4: Der Raum
zum Chat
Welche
Bedeutung der Chat für das gesamte Webseitennetz hat,
wird später noch erläutert.
In
der Bibliothek steht eine Auswahl der unterschiedlichen
Lektüremöglichkeiten zur Verfügung. Die
Bibliothek umfasst die Kategorien Lyrik, Cartoons,
ScienceFiction, Märchen / Fantasy,
Kurzgeschichten, Essays, Humor / Groteske und
Rezepte. In der
Kunstgalerie ist eine kleine Ausstellung von Bildern zu
sehen (Mona Lisa, Baum-Allee, Raumschiff Enterprise u. v.
m.). Im Konzertsaal kann
bei Musik entspannt werden (z. B. Ragtimes mit John Roache
u. v. m.). In der
Kapelle können Gebete schriftlich niedergelegt werden.
Dieses Angebot wird ausgiebig genutzt. Vor allem Fans von
Kurt Cobain und seiner Band Nirvana
veröffentlichen Gebete oder Bitten in der Kapelle.
Nirwana lässt zwar die Assoziation:
Kurt Cobain und seine Band Nirwana zu, aber dies
ist nach Aussage der Autorin/Produzentin ein
unbeabsichtigter Nebeneffekt der Namensgebung.
Das Büro zeigt einen
virtuellen Arbeitsplatz, der dem Leser-/ User durch
Anklicken des virtuellen Bildschirms Zugang zum
begehbaren Roman verschafft. Doch dazu noch
später.
Der
Website Cafe-Nirwana kann als virtuelles
Ausflugsziel oder Urlaubsort benutzt werden, denn es bietet
dem realen Besucher virtuelle
Gästezimmer an, die er für eine Zeit
mieten kann. Doch anders als in der realen Welt,
kann das Gästezimmer im Cafe-Nirwana selbst
gestaltet werden. Die Einrichtung mit verschiedenen
Gegenständen (Bilder) nutzen einige Bewohner, um durch
die Bilder referenzierte Links zu platzieren. Fährt ein
Leser/User mit der Maus über einen der
Gegenstände, werden Linkverbindungen angezeigt
(sogenannter Rollover Effekt). Wählt der Leser/User
diese, wird er zu unterschiedlichen literarischen Texten,
Bild- und Musikinstallationen oder zu weiteren Webservern
mit umfassenden Webseiten geführt.
Im
Postamt stehen mannigfaltige Möglichkeiten zur
Verfügung, eigene Postkarten zu gestalten oder Briefe
zu verschicken. Der
Kompass auf jeder Side bietet eine Orientierungshilfe
für das gesamte Webseitennetz an. Er leitet zu einer
Übersichtskarte, anhand der der Leser/User seinen
eigenen Standpunkt bestimmen, aber auch zu neuen Lesewegen
durchs Netz aufbrechen kann.

Bild 5: Der Kompass
In
der vorangehenden Darstellung wurde ein typischer Leseweg
und damit Implementierungen von Text, Bild und Ton zu einer
virtuellen Komposition in dem Webseitennetz beschrieben.
Dieser Leseweg soll exemplarisch für eine Fülle
weiterer Lesewege stehen.
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- 6
[1]
Nirwana, aus dem Sanskrit = erlöschen, verwehen.
Das Nirwana im Buddhismus die völlige seelige Ruhe als
erhoffter Endzustand., aus Duden.
Fremdwörterbuch, Bibliographisches Institut Mannheim,
Wien / Zürich, 3. völlig neu bearb. u. erweiterte
Aufl., 1974.
[2]
Anm. des Autors: Diese Formulierung ist so gewählt, um
die Wechselwirkungen von technischen Handwerk (Tech-Ebene),
an dieser Stelle vergleichbar mit den Stilmitteln des
literarischen Textes, w. z. B Verfremdung,
Metapher, Metonymie,
Denotation und Konnotation zu
verdeutlichen. Die im oberen Text benutzte Graphikdatei,
kann als Verfremdung interpretiert werden.
Zunächst plakativ, aufgrund der Verwendung sprachlicher
Zeichen, deren Signifikat nicht, wie auf den ersten Blick
anzunehmen ist, auf einen Sinn oder
Inhalt verweist, sondern lediglich auf weitere
Signifikanten, nämlich auf die Interpretation der
Zeichen durch das Graphikprogramm. Verfremdung von
Sprachzeichen jeder Art bezeichnen wir als literarische
Verfremdung, Link, Jürgen:
Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe. Eine
programmierte Einführung auf strukturalistischer
Basis, München, 1985, S.100). Zudem kann eine
Verfremdung, auf der Basis des Erwartungshorizontes des
Lesers / Users durch die Aktivierung des Links (Anklicken
des Signalwortes) im vorausgegangenen Text als
Materialbasis, konstatiert werden. Die Erwartungshaltung des
Lesers/Users auf eine Erläuterung wird zwar auf der
Desk Ebene durch das Bild auf der
Bildschirmoberfläche bestätigt und doch durch die
Manifestation eines bestimmten Bildes auch enttäuscht.
Sprachzeichen werden durch die technische Führung eines
Links zur Manifestation eines bestimmten Bildes, und so
ihrem eigentümlichen Charakter entführt (Link,
S.100).
Inwieweit literarische
Verfremdungen für die Interpretation von digitaler
Literatur fruchtbar gemacht werden können, kann hier
nicht weiter verfolgt werden. Durch die Anmerkungen kann auf
mögliche Forschungsrichtungen verwiesen
werden.
[3]
Geselligkeit wird in diesem Zusammenhang bewusst
gewählt, um nachfolgende Erklärungen zum
virtuellen, literarischen Salon schon an dieser
Stelle anzudeuten. (Anm. des Autors)